US-Amerikaner suchen Wohnungen vor allem in Zentrumsnähe

Clay Kaserne Wiesbaden

Wiesbadener Tagblatt, 22.12.2011 - WIESBADEN

Von Bertram Heide

 

„Amerikanische Airbase - Mitarbeiter suchen Häuser und Wohnungen“

12 000 Handzettel ließ Makler Günther Wagner in den vergangenen Wochen in der Stadt verteilen. „In den bevorzugten Wohnquartieren“, erzählt er im Gespräch mit dem Tagblatt und nennt spontan das Komponistenviertel, das Nibelungenviertel seitlich des Siegfriedrings, aber auch den Sonnenberger Heidestock oberhalb der Aukamm Housing Area der US-Amerikaner.

 

Eng arbeitet der 49-Jährige, der in Kastel aufwuchs, später bei Dyckerhoff lernte, bei Heimann arbeitete und seit 20 Jahren selbstständig ist, mit dem amerikanischen Wohnungsamt zusammen. Dort ist er, wie andere seiner Kollegen auch, seit Jahren „gelistet“.

 

„Ich biete eher handverlesene Objekte an. Ich habe als Vermittler einen großen Anteil an Stammkunden. Wiesbaden ist eben eine Geldstadt, sage ich immer“. Mietobjekte, die er anbietet, liegen denn auch meist preislich oberhalb des offiziellen Mietspiegels.

 

Die US-Amerikaner zahlen - wenn das amerikanische Wohnungsamt zustimmt. „Es ist nicht mehr so wie früher“, erzählt der Makler, „ich lege ein umfangreiches Exposé mit Bildern vor, und dann kommen Inspektoren des Wohnungsamts und schauen sich das Ganze an.“ Kommt es zum Vertrag, machen diese Inspektoren auch ein Protokoll über den Ist-Zustand, kommen später zu einer zweiten Besichtigung, wenn der Mieter wieder auszieht, um eventuelle Schäden akribisch festzuhalten. Durchschnittlich zwei bis drei Jahre bleiben die US-Mieter in einer Wohnung, weiß Wagner.

 

Fünf bis zehn Mal pro Monat wird er aktiv, schätzt der Makler. Da kommt auch schon einmal eine Anfrage per Mail direkt aus den USA nach dem Motto „Ich komme in 14 Tagen, haben Sie nicht eine schöne Wohnung?“ Da ist aber auch Army-Personal, das nur vorübergehend im American Arms Hotel an der Frankfurter Straße wohnt und unbedingt in die eigenen vier Wände will. Da sind zudem die Makler-Kollegen, die bei Günther Wagner an der Kapellenstraße nachfragen, weil sie um seine Spezialisierung und die Zusammenarbeit mit dem Wohnungsamt wissen.

 

„Offiziell gibt es nur Schätzungen“, sagt Anemone Rüger, Public Affairs Officer und damit Sprecherin der US Army in Wiesbaden, „aber es sollen rund 1000 Soldaten und rund 2000 Zivilangestellte aus Heidelberg, teilweise mit ihren Familien, nach Wiesbaden kommen.“ Anemone Rüger geht davon aus, dass 1700 von ihnen auf dem freien Markt eine Wohnung suchen werden.

 

Die Soldaten finden eine Bleibe in den Housing Areas, wie Aukamm, Crest View, Hainerberg oder den neuen Wohnungen direkt an der Airbase. Höhere Dienstränge allerdings wollen lieber in die „normalen“ Wohnquartiere. Die Zivilangestellten allerdings müssen sich auf dem Wohnungsmarkt in Wiesbaden umsehen - und sind derzeit auch sehr aktiv. „Wir schätzen, dass wir alle in einem Umkreis von 25 Kilometern gut unterbringen können“, ist Rüger überzeugt.

 

„Früher“, erzählt Makler Günther Wagner, „wollten die US-Amerikaner möglichst ein Haus auf dem Lande, möglichst nicht kleiner als 200 Quadratmeter Wohnfläche und mit viel Grün. Heute suchen sie eine Wohnung oder ein Haus in Zentrumsnähe oder direkt im Zentrum.“ Die erste Frage sei eigentlich immer, „wo fährt der nächste Schulbus“.

 

Natürlich lässt das die Mietpreise über das ortsübliche Niveau ansteigen. Der Makler nennt ein Beispiel. Eine gut ausgestattete Vier-Zimmer-Wohnung an der Steubenstraße war jetzt auf dem Markt. 120 Quadratmeter, gut ausgestattet. „Früher war die für zehn Euro pro Quadratmeter zu haben. Jetzt ist sie für 1500 Euro kalt plus Garage vermietet. Das sind immerhin 300 Euro mehr, als auf dem privaten Markt zu erzielen gewesen wäre.“

 

Aber offenbar sehen sich auch die wohnungssuchenden US-Amerikaner gehörig unter Druck. „In der Steubenstraße brachten die Interessenten gleich ein befreundetes Ehepaar mit, das ebenfalls dringend eine große Wohnung sucht“, weiß Günther Wagner.

 

Natürlich hätten alle Neu-Wiesbadener gerne schon aus Gründen der Bequemlichkeit einen amerikanischen Mietvertrag, ein recht schlichtes Dokument. Sie erhalten aber einen deutschen - und denen erklärt und übersetzt ihnen das amerikanische Wohnungsamt.

 

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